Test: Fuji FinePix X10

Wie in diesem Artikel schon erwähnt, haben wir uns eine leistungsstarke Kompaktkamera gegönnt: Die Fuji FinePix X10. Diese Kamera im schicken Retro-Look richtet sich an anspruchsvolle Amateure, die ihre Spiegelreflexkamera mit einer leichten Kompaktkamera ergänzen wollen. Sie ist zwar Handtaschen- und Jackentaschentauglich, aufgrund des herausstehenden Objektivs passt sie aber leider nicht in die Hosentasche.

Optischer Sucher und lichtstarkes Objektiv

Für uns ausschlaggebend war der optische Sucher, der es auch bei starkem Sonnenlicht ermöglicht, den Bildaufbau zu beurteilen. Eine weiterer Kaufgrund war das besonders lichtstarke Objektiv, welches im Zusammenhang mit dem (für Kompaktkameras) großen Sensor sogar ein Freistellen von Motiven ermöglicht. Das Objektiv beginnt bei einer Blende von f2,0, das ist doppelt so lichtstark wie die meisten Kompaktkamera-Objektive, welche bei f2,8 beginnen (siehe Blendenreihe bei Wikipedia). Man kann also beispielsweise statt mit einer Belichtungszeit von 1/10s in der gleichen Situation mit 1/20s fotografieren und hat somit eine größere Wahrscheinlichkeit für ein nicht verwackeltes Bild. Oder man nutzt ISO 400, wo sonst ISO 800 nötig gewesen wären, das ergibt dann ein rauschärmeres Bild.

In der Praxis ist der Sucher nicht ganz so brauchbar wie erwartet, er zeigt einen deutlich kleineren Bildausschnitt als das fertige Foto, hilft nicht beim Fokussieren und zeigt in Tele-Stellung rechts unten das Objektiv im Bild. Aber trotzdem, bei starker Sonneneinstrahlung durchaus hilfreich.

Das Objektiv hat einen 4-fach Zoom, von 28 bis 112 mm. Es hat also einen moderaten Weitwinkel und schon einen recht brauchbaren Teleeffekt. Für mich das wichtigste ist aber die oben schon erwähnte Lichtstärke. Gezoomt wird über einen Drehring direkt am Objektiv, das kenne ich von Spiegelreflexkameras. Das geht sehr viel schneller als die umständlichen Zoomwippen, die man üblicherweise an Kompaktkameras vorfindet. Auch für Videos ist das praktisch, da man keinen Zoommotor in der Aufnahme hört.

Autofokus

Eine Schwachstelle ist der Autofokus. Dieser hat insbesondere bei 100-112mm Schwierigkeiten, ich hatte schon oft Motive, die ich dort nicht scharf stellen konnte. Herauszoomen hat dann oft geholfen. Ich hoffe hier, dass dieses Problem mit einem Firmware-Update gelöst wird. Mich stört dies viel mehr, als das „White Disc Syndrome“, auf das ich später noch eingehen werde.

Wenn ein Scharfstellen möglich ist, dann geht das aber in der Regel sehr fix.

Bildqualität

An der Bildqualität gibt es nicht viel auszusetzen. Es gibt dank des EXR-Sensors auch für schwierige Bedingungen (schlechtes Licht, starker Kontrastunterschied) noch Möglichkeiten, mehr aus den Fotos herauszuholen. Dabei werden immer zwei benachbarte Pixel zusammengeschaltet, entweder zum Zweck, das Rauschen auszugleichen, oder beide Pixel werden verschieden belichtet, um unter- und überbelichtete Bereiche zu minimieren. Die Auflösung fällt dann von 12 auf 6 Megapixel. Dies funktioniert nicht bei herkömmlichen Bildsensoren, da dort Pixel gleicher Farbe nicht benachbart sind (Das wird hier ganz gut erklärt). Ein paar Beispielbilder gibt es in der Galerie zu sehen, allerdings nicht in der Original-Auflösung. Zur Beurteilung der Bildqualität sollte es aber ausreichen.

In Foren findet man häufig hitzige Diskussionen um das sogenannte „White Disc Syndrome“ (Beispielbild). Dabei geht es um merkwürdige, weiße Scheiben, die bei besonderen Gegenlichtsituationen auftreten. Ich habe versucht, den Fall zu provozieren und es war nicht leicht. Es passiert eher bei geschlossener Blende und niedrigen ISO-Werten, also eher wenn man ein Stativ verwendet. Dafür nutze ich aber die DSLR und nicht die Kompaktkamera, daher ist das für mich irrelevant. Hier mal ein Beispiel von mir:

Für mich war das kein Grund, die Kamera zurückzugeben. Hier noch einige andere Bilder, insbesondere bei schlechtem Licht (Available Light). Das erste Bild zeigt recht eindrucksvoll, dass durch den relativ großem Sensor und das lichtstarke Objektiv auch schöne Freistellungseffekte möglich sind (Hintergrund unscharf, Motiv scharf):

Bedienung

Die Bedienung ähnelt stark der einer Spiegelreflexkamera. Es gibt ein Moduswahlrad, ein Drehrad zum Verstellen von beispielsweise Blende oder Belichtungszeit und sogar ein Rad zur Über- und Unterbelichtung. Besonders gelungen finde ich den oben schon erwähnten Zoom per Dreh am Objektiv. Das ist schnell, direkt und wie bei den „Großen“. Etwas umständlich ist der Objektivdeckel, den muss man vorher abnehmen, aber das ist ja konsequenterweise auch wie bei den DSLRs.

Es gibt die üblichen A,M und P Modi für Leute, die gerne Blende und Belichtungszeit manuell einstellen, aber auch Automatikprogramme. Die ISO stellt man voreingestellt über die „f“-Taste ein – die lässt sich aber auch anders belegen. Da ISO aber neben Blende und Belichtungszeit der dritte wichtige Wert ist, sollte man diese Voreinstellung so belassen.

Ein ganz großes Manko: Im EXR-Modus stehen die manuellen Einstellmöglichkeiten nicht zur Verfügung – echt dämlich.

Blitz

Es gibt einen Blitzschuh, der ist aber eher nicht so wichtig für eine Kompakte. Der eingebaute Blitz ist relativ schwach, aber im „Synchro“-Modus gut austariert. Die Umgebung versinkt nicht im Schwarz, sondern bleibt stimmungsvoll erhalten, es wird nicht „überblitzt“ (links ohne, rechts mit Synchro-Blitz):

Video

Videos kann die Kamera mit Full-HD und 30 Bildern pro Sekunde aufnehmen. Zusätzlich verfügt die Kamera über „High Speed“-Modi – so sind mit 320×240 Pixeln 120 Bilder/s und mit 320×112 Pixeln sogar 200 Bilder/s möglich – eine nette Spielerei, aber mehr auch nicht.

Das Fokussieren übernimmt die Kamera während des Video-Drehs automatisch – eigentlich fehlt mir genau das an meiner Spiegelreflex, allerdings ist das auch das Problem: Woher will die Kamera eigentlich wissen, worauf ich scharf stellen will? Das geht relativ oft daneben.

Fazit

Alles in allem eine gelungene Kompaktkamera – aber sicher nicht für jeden. Dafür ist sie etwas zu groß, hat einige Zicken wie das „White Disc Syndrome“ oder das Autofokusproblem. Aber ansonsten macht sie einfach Spaß – Ein schickes Design, Einstellmöglichkeiten ohne Ende, die gute Bildqualität auch bei schlechtem Licht und ein hervorragendes, lichtstarkes Objektiv, welches ich sogar für Portraits nutzen würde – hätte ich die Spiegelreflex nicht. Eine klare Empfehlung von meiner Seite! Ich bin gespannt, was meine Freundin (als nicht so Fotografie-Interessierte) damit für Fotos in Hongkong und China schießen wird, vielleicht darf ich diese ja sogar hier veröffentlichen.

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